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  • Isabell Steinert

Geburtsreportage: Die Geburt von Yaro Pepe

Vor knapp einem Monat durfte ich die Geburt von Yaro Pepe fotografisch begleiten. Ich freue mich sehr, nicht nur ein paar Bilder dieses besonderen Tages mit euch teilen zu können, sondern auch den Geburtsbericht, den Yaros Mutter selbst geschrieben hat. Ich hoffe, die Bilder und Worte inspirieren euch. Viel Freude beim Lesen!


Freudentränen über die Geburt von Yaro Pepe

Ich wache gegen 2 Uhr auf. Mia, meine große Tochter, muss auf die Toilette und danach bin ich hellwach. Plötzlich spüre ich eine Wehe. Seltsame Uhrzeit denke ich mir und versuche wieder einzuschlafen. Doch es gelingt mir nicht - ich spüre immer mal wieder eine Wehe und beschließe gegen 3 Uhr aufzustehen. Ich koche mir einen Tee und fange an zu schreiben: „Ein letztes Mal Wehen?!?“ steht als Überschrift auf der Seite… Gegen 4 Uhr sind die Wehen alle 4 Minuten. Nicht schmerzhaft aber immer regelmäßiger. Ich bin hin und her gerissen, ob ich dem allem Bedeutung schenken soll oder nicht. Zu oft hatte ich in letzter Zeit Wehen… Ich schreibe vorsichtshalber Isabell, die aus Freiburg kommen wird, um unsere Geburt fotografisch zu begleiten. Zu meiner Überraschung reagiert sie prompt und ich beschließe nun erstmal Oli zu wecken. Um 4.30 Uhr sitzen wir bei einem Kaffee zusammen und überlegen, stellen uns vor, dass wir in wenigen Stunden unser Kind in Händen halten könnten und wissen nicht so recht, ob wir dem glauben sollen oder nicht.

Isabell beschließt um 4.37 Uhr, dass sie sich auf den Weg macht - und trifft dann auch gegen 5.30 Uhr ein. In der Zwischenzeit bekomme ich Lust einen Hefezopf zu backen. Der perfekte Geburtskuchen, denn es braucht Zeit und Geduld ihn zu backen. Die Hefe muss sich öffnen, entfalten und der Teig will gut durchgeknetet sein… Gemeinsam bauen wir den Jahreskreis auf und legen die Fotos zur Schwangerschaft aus.


Der Jahreskreis - Bald wird im Februar ein Bild von einem weiteren Familienmitglied dazukommen

Um kurz vor sechs habe ich das Bedürfnis meine Hebamme Raphaela anzurufen und sie um Rat zu bitten. Wir rechnen jederzeit damit, dass die Kinder aufstehen und ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Moment die Geburt richtig losgehen wird. Erst muss ich klären, was mit den Kindern ist. Raphaela ist etwas überrascht und hält es für wahrscheinlich, dass das Übungswehen sind. Wir vereinbaren, dass sie nochmal schläft und ich schaue, was passiert, wenn die Kinder gleich aufstehen.


Kuscheln mit Josha, der nur noch wenige Stunden der Jüngste in der Familie sein wird.

Wenige Minuten später meldet sich Josha und wir kuscheln noch ein bisschen auf dem Sofa. Er ist wohl etwas verwundert, was der Jahreskreis und Isabell da machen aber fängt dann schnell an zu spielen und will sein übliches Marmeladenbrot essen. Mia und Leni stehen gegen 6.30 Uhr auf und freuen sich über den Jahreskreis. Wir schauen ihn gemeinsam an und überlegen, was wir in den einzelnen Monaten gemacht haben. Lassen die wunderbare Zeit der Schwangerschaft nochmal Revue passieren. Es ist eine schöne Atmosphäre. Die Kinder sind so einfühlsam und aufmerksam. Ich kann die Wehen, die kommen, sanft veratmen. Kurz innehalten, gedanklich zu meinem Bauchkind gehen, um mich dann wieder dem Geschehen im Hier und Jetzt zu zuwenden.


Auch die anderen Kinder sind wach.

Der Hefezopf ist fertig und irgendwie bekomme ich langsam die Idee, dass es zwar sehr gemütlich ist mit meiner Familie die Eröffnungszeit zu verbringen ich aber so kein Kind gebären kann. Wir brauchen einen Plan. Da Leni wegen ihrer Ohrenschmerzen nicht in den Kindergarten kann, wäre es mir am Liebsten, wenn alle drei zusammen zu Ruth gehen würden. Zu meinem Erstaunen willigt Mia sofort ein - welch Glück. Aber zuerst wollen sie frühstücken und sich verkleiden - es ist ja schließlich Fastnacht.



Gegen 7.30 Uhr telefoniere ich also mit Raphaela und frage, ob wir Hebamme gegen Kinder tauschen können. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Raphi kommt und gleich wieder geht, weil wir uns bei einem Anfangsbefund befinden, aber mein Gefühl sagt mir: Ich will sie jetzt einfach hier haben.


Oli lässt inzwischen das Wasser in den Pool ein - das dauert ja ein Weilchen. Dann wird es ein wenig anstrengend, denn die Wehen werden stärker und die Kinder wollen natürlich alle gleichzeitig zur Prinzessin, Pippi Langstrumpf und Eule verkleidet werden. Wir meistern das gemeinsam und gerade als Raphi kommt, sind die Kinder fertig zur Abfahrt. Oli fährt sie schnell zu Ruth. Es ist kurz nach acht Uhr.



Ich schicke Raphi und Isabell schon mal runter und schnaufe oben kurz durch, versuche mich zu sammeln, zu zentrieren, zu erden. Wird es jetzt gleich wirklich richtig los gehen? Begeben wir uns jetzt wirklich auf die Geburtsreise?


Ich lese mir die Fahnen durch, die die Frauen während der Ritualfeier für mich geschrieben haben, da ist sie wieder die geballte Frauenkraft, die wir damals aufgebaut haben und mein Blick fällt auf die Geburtskerze. Ich bin bereit - positive Gespanntheit und Aufregung kommt bei mir auf und ich gehe runter zu meinen beiden lieben Geburtsbegleiterinnen. Der Raum ist mollig warm und leuchtet in sanftem Kerzenschein. Die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft, die wir um Kraft gebeten haben, haben ihren Platz gefunden. Der Duft der Rose steigt mir in die Nase - für immer wird dieser Duft mit meinen Geburten verknüpft sein.



Raphi möchte zuerst nach den Herztönen hören und dann die Öffnung des Muttermunds tasten. 5 cm ist der Befund. Das kann alles oder nichts bedeuten - das stört mich aber nicht weiter, denn wir alle sind hier und bereit. Es dauert so lange wie es dauert: ich habe Zeit - meine Geburtsbegleiter werden mir die Zeit geben, die wir brauchen.


Inzwischen ist der Geburtspool mit warmen Wasser vollgelaufen und ich freue mich sehr darauf einzusteigen. Noch ein zwei Wehen an Land veratmen und dann Entspannung im warmen Wasser. Ich kann mich völlig frei bewegen. Raphi holt ihre Sachen aus dem Auto - Isabell ist ja bei mir und Oli wird auch gleich wieder zurück kommen. Ich fühle mich sicher und geborgen und freue mich auf die bevorstehende Geburt unseres Kindes. Zwischen den Wehen lese ich mir meine „Leitsätze“ durch, mit denen ich mich in der Schwangerschaft beschäftigt hatte - verbinde mich mit meinem Kind - Zeit hat nun absolut keine Bedeutung mehr.


Oli kommt zurück und macht auf meinen Wunsch die Musik an. Wir werden nun von den Klavierstücken von Yiruma begleitet - die Musik, die uns bereits seit der ersten Geburt so gut gefällt. Oli ist nun ganz bei mir und stützt meinen Rücken, gießt mir warmes Wasser über die Schultern.



Raphi beobachtet wachsam und achtsam meine Geburtsarbeit. Ist einverstanden. Lässt mich und mein Kind in Ruhe arbeiten. Greift nicht ein. Hört nur ab und an Herztöne und zieht sich dann wieder zurück.



Die Wehen werden kräftiger, häufiger - doch mit Tönen und atmen sind sie gut auszuhalten. Zwischen den Wehen kann ich mich sanft im Wasser bewegen, mein Becken kreisen.


Plötzlich ändert es sich; die Wehen werden mächtig und ich gehe kraftvoll mit - lasse diese Naturgewalt gewähren ohne dabei passiv zu werden. Ich spüre, dass mein Kind jetzt geboren werden möchte. Wieder habe ich ein tiefes Gefühl von Sicherheit und geerdet sein. Gemeinsam bewältigen wir, in zwei Wehen, den Weg durchs Becken - den Geburtskanal. Unser Kind wird um 8.59 Uhr in meine Hände ins Wasser geboren.



Oli, der für einen Augenblick das Zimmer verlassen hatte, ist gerade rechtzeitig zurück, um mit mir unser Kind in Empfang nehmen zu können. Er stellt sofort fest: es ist ein Junge! Yaro Pepe soll er heißen. Raphi hilft uns beim Entwickeln aus der Nabelschnur, denn diese scheint sehr lange und ums ganze Kind herum zu sein. Für die Emotionen der nächsten Momente fehlen mir die Worte.



Es ist unbeschreiblich sein Kind nach zehn Monaten Schwangerschaft in Armen zu halten. Nach einer intensiven Kugelbauchzeit, in welcher unsere beiden Seelen für immer tief miteinander verbunden wurden. In welcher bedingungslose Liebe und Vertrauen gewachsen ist. Nach einer wunderschönen Geburtsreise nun sicher und geborgen anzukommen. Zu fühlen, zu riechen, zu hören, zu sehen - zu genießen. Und das durften wir jetzt ausgiebig. Zuerst noch ein wenig im Wasser und dann eingekuschelt im wohl temperierten Trockenen. Niemand hat irgendeinen Druck. Wir haben Zeit.



„Die Geburt endet erst, wenn die Plazenta geboren wurde“ - und dazu musste ich mich bewusst entscheiden und bewusst gebären, denn damit ist es tatsächlich vorbei und wird nie wieder kommen. Diese Wunderbare und einzigartige Zeit des Mutter Werdens. Nun darf Oli die Nabelschnur durchtrennen und Raphi begutachtet die Plazenta - alles in Ordnung.



Jetzt möchten wir gerne unsere Kinder informieren, dass ihr kleiner Bruder Yaro geboren wurde. Zu unserem Erstaunen nehmen sie die Nachricht zwar freudig auf, aber wollen jetzt noch bei Ruth bleiben und nicht schon abgeholt werden. Langsam bekommt Yaro die Idee, dass er Hunger haben könnte und macht sich auf den Weg. Wir sind fasziniert, wie er zuerst seine Füßchen dann Hände und Kopf bewegt, um nach oben zur Brustwarze zu gelangen. Er kann sich nicht richtig entscheiden, ob er an die linke oder rechte Brust möchte und pendelt ein bißchen hin und her. Letztlich landet er an der linken Brust und versucht geduldig die Brustwarze richtig zu fassen zu bekommen. Auch wir sind geduldige Beobachter und schauen gebannt zu. Doch es mag ihm auch nach einer sehr langen Zeit nicht gelingen. Er wird immer schläfriger und deshalb entscheiden wir uns, ihn doch aktiv anzulegen - und er trinkt seelig.



Da wir bisher die U Untersuchung vernachlässigt haben „müssen“ wir das jetzt aber schleunigst nachholen. Yaro wird gewogen, vermessen und natürlich gekuschelt.




Eingewickelt in eine Decke darf er dann mit Papa nach oben. Die beiden „Jungs“ werden jetzt ein Frühstück für alle richten, denn wir haben Hunger.


Ich ziehe mich an und atme einmal tief durch: es ist geschafft! Der Moment ist nun tatsächlich gekommen. Die Schwangerschaft ist beendet, die Geburt vorüber und nun beginnt die letzte Neugeborenenzeit. Im Wohnzimmer duftet es herrlich nach frisch gebackenem Hefezopf, den wir mit Butter und Marmelade und Schokocreme genießen. Wir sprechen über die Geburt - über Geburten allgemein - über die Kraft der Frauen - und schauen immer wieder fasziniert auf das kleine Wesen, welches friedlich in Mamas Armen schlummert.



Raphi erledigt ihren Schreibkram. Die Kinder rufen an, dass sie nun abgeholt werden möchten. Endlich - darauf haben wir schon so sehr gewartet. Oli holt sie dann auch gleich ab. Mia und Leni kommen zuerst rein und bestaunen, noch etwas schüchtern, ihren kleinen Bruder.




Leni holt vom Jahreskreis das Babybauchbild und zeigt es Raphi. Diese erklärt ihr mit Blick zu Yaro, dass er jetzt endlich da ist. Danach verabschiedet sie sich und will am späten Abend nochmal nach uns sehen.



Dann kommt auch noch der eingeschlafene Josha dazu. Auf Mamas Arm macht er die Augen auf, sieht Yaro und sagt „Bruder“ und gibt ihm ein Luftküsschen. Wir schmelzen dahin - könnte es eine schönere Begrüßung geben.


Der Bann ist nun gebrochen. Die Kinder streicheln und küssen Yaro, der eingekuschelt in seiner Decke mitten im Geschehen liegt. Und dann entdecken die drei die Geschenke, die Yaro für sie mitgebracht hat und fangen an sie auszupacken. Bücher und einen Eisenbahnwagen. Das muss natürlich sofort ausprobiert werden. Und binnen Minuten sitze ich neben Yaro und um mich herum ist es fast so als wäre nichts gewesen bzw. als wäre es einfach schon immer so.



Isabell verabschiedet sich nun auch und langsam merke ich, dass ich einfach wenig geschlafen habe und die Geburt doch sehr kräftezehrend war. Ich lege mich mit Yaro ins Bett und bekomme immer wieder Besuch von den Kindern. Sie schauen kurz, ob alles in Ordnung ist und gehen dann wieder. Wir starten ins Wochenbett und sind gespannt …


Blumen von Oli

Für mich war es eine wunderbar perfekte Geburt. Ich habe die verschiedenen Phasen sehr genossen. Für mich war es wichtig erstmal alleine für mich zu sein - ich hatte meine Gedanken aufgeschrieben und mich in den Prozess des Ablösens begeben. Die nächtliche Ruhe und Stille im Haus hat mir sehr gut getan. Als ich dann Oli aufgeweckt hatte und wir gemeinsam, in Vorfreude auf unser Kind, uns ausgemalt hatten, wie der Tag jetzt weiter gehen könnte (mit einer Geburt am Morgen haben wir überhaupt nicht gerechnet), war ebenso schön und notwendig.


Die Ankunft von Isabell hat mich unglaublich erleichtert. Hatten wir uns doch so sehr gewünscht, dass dieser besondere Moment fotografisch festgehalten wird - und gleichzeitig hatten wir immer Sorge, dass wir Isabell zu spät verständigen werden. Trotzdem, dass wir uns nicht wirklich gut kennen war sofort eine vertraute Stimmung im Raum.


Einen Teil der Wehenzeit mit unseren Kindern zu verbringen konnte ich mir im Vorfeld nicht wirklich gut vorstellen. Und dann war es einfach so. Und es war so natürlich und unaufgeregt. Das hat mich unglaublich beflügelt, denn sie haben so recht: Geburt ist völlig natürlich. Wehen zu veratmen sieht vielleicht komisch aus aber ist überhaupt nichts Bedrohliches. Die Selbstverständlichkeit der Kinder hat sich mit Sicherheit ein Stück auf uns Erwachsene übertragen. Und doch war mir irgendwann klar, dass ich zum Gebären lieber ohne meine Kinder sein möchte. Ich konnte meinem Gefühl trauen, denn sobald alle versorgt waren veränderte sich der Geburtsmodus.


Ich war sehr erleichtert als Raphi dann da war, denn auch bei ihr war ich mir im Vorfeld nicht sicher, ob sie greifbar sein wird, wenn die Geburt tatsächlich losgeht. Als dann mein Geburtsteam mit Raphi, Oli und Isabell vollständig da war, konnte es losgehen und es dauerte nicht mehr lange, bis wir unseren kleinen Jungen in den Arm nehmen konnten. Ich verspürte keinerlei Angst oder Sorge - alle negativen Gedanken zu einer eventuellen abgebrochenen Hausgeburt waren überhaupt nicht präsent.

Im Gegenteil: ich konnte die Kraft spüren, die in mir und meinem Kind steckte. Ich konnte mich öffnen. Ich wusste, dass ich gebären kann und dass ich die Expertin für diese Geburt sein werde. Ich konnte aber auch die liebevolle Begleitung von Oli und Raphi spüren. Die unterstützenden Blicke und Worte. Das Vertrauen, welches nicht nur ich in mich und mein Kind hatte, sondern auch Raphi in mich.

Ich habe es sehr genossen und bin unendlich dankbar, dass niemand in unsere Geburt eingegriffen hat. Dass niemand von außen versucht hat, etwas zu begünstigen.

„Ich gebäre“ - und das haben alle im Raum respektiert. Ja, es war wieder ein überwältigendes Ereignis. Macht- und kraftvoll mein Kind zu gebären, in unserem eigenen Rhythmus - in Anwesenheit von achtsamen und wertschätzenden Begleitern. Ich schöpfe davon so viel Energie und werde vermutlich ein Leben lang weiter davon zehren können.

Ich freue mich darauf unseren Yaro nun im Kreise unserer Familien willkommen zu heißen und ihn mit ganz viel Liebe zu nähren. In den letzen sechs Jahren durften wir vor allem durch und mit Raphi lernen, dabei auf unsere Herzen zu hören und wir freuen uns auf diese zauberhafte Zeit.

„Es war ein Mutter, die hatte vier Kinder. Den Frühling, den Sommer den Herbst und den Winter.“ Vier wunderbare Kinder, vier unterschiedliche Schwangerschaften und Geburten - vier eindrückliche, prägende und ungemein wertvolle Erfahrungen, die uns als Paar zur Familie haben wachsen lassen und uns seither soviel reicher macht. „Familie ist da wo das Leben beginnt und die Liebe niemals endet.“.