Geburtsreportage I Geburtsbericht: Die Geburt von Johann

Updated: Jan 17


Als Geburtsfotografin darf ich das erste Kennenlernen festhalten

Geborgen gebären - im Kreise ihrer Familie, in einem Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen würde, mit einem Geburtsteam, dem sie vertrauen konnte. Das war der Wunsch dieser Mama. Vor ein paar Wochen war es dann soweit.


Als ich die SMS erhielt, dass sich die Wellen in ihrer Intensität änderten, wusste ich, es würde vermutlich nicht mehr lange dauern. Ich aß noch etwas, dann schnappte ich meine "Geburtstasche" und machte mich auf den Weg. Es ging dem Abend zu und es schien sich ein Gewitter aufzubauen. Ich war gespannt auf die kommenden Stunden. Als ich auf den Hof vor dem Haus fuhr, wurde ich freudig empfangen. Die Kinder waren ganz aufgeregt über die Nachricht, dass sich das Geschwisterkind nun auf den Weg machte. Es war eine ganz besondere Atmosphäre und wie immer ein wahnsinnig schönes Privileg, diese Momente für die Familie dokumentieren zu dürfen.




Heute darf ich einen Geburtsbericht der besonderen Art mit euch teilen. Die Eltern haben einen Brief an ihren Sohn geschrieben, in dem sie ihm aus ihrer Sicht von seiner Reise auf die Welt erzählen. Und ich darf ihn zusammen mit den Fotos mit euch teilen:


Lieber Johann,


jetzt ist es schon etwas über zwei Monate her, dass du das Tageslicht dieser Welt erblickt hast. Wenn wir uns an deine Geburt zurückerinnern, fallen uns verschiedene schöne und intensive Momente ein. Da war das freudige und aufgeregte Kribbeln bei Momo, Melinda und Papa. Ein herausfordernder Birthpoolaufbau. Eine ruhige und sanft begleitende Hebamme. Die mitfeiernden und unterstützenden Isabell und Carla. Das warme Wasser im Pool, zusammen mit vielen Massagen und leckeren Knabbereien. Eine dunkle Nacht mit einem erfrischenden Regen und quarkenden Fröschen...


Von deiner Mama:


Schon am frühen Morgen habe ich gespürt, dass die Wellen sich anders anfühlen und du dich auf den Weg machst. Beim Kindergeburtstag am Nachmittag musste ich den wogenden Wellen immer mehr Aufmerksamkeit schenken. Als Carla mich nach Hause kommen sehen hat, spürte sie auch sofort, dass die Wellen begonnen haben.


Leichte wiegende Hüftbewegungen und ein ruhiges, bewusstes Atmen in der Küche haben uns dann schnell dazu gebracht, Isabell und die Hebamme wissen zu lassen, dass es bald einen neuen Erdenbürger gibt. Nach einem leckeren Abendbrot mit frischen Zutaten vom Markt bin ich noch mit Melinda in der Badewanne gewesen und danach war Isabell schon da. Papa war nun damit beschäftigt, Momo und Melinda zum Schlafen zu legen. Carla und Isabell haben sich damit abgemüht den Pool mit Wasser zu füllen und ich lag, hockte und stand auf dem Sofa, zwischen den Türrahmen und am Schrank. In dieser Zeit kümmerte sich Carla mit liebevollen Händen um mich.





Worte deines Papas:


Zusammen mit dem Einschlafen der Kinder kam auch unsere Hebamme zu uns. Ich war innerlich voller Freude auf die bevorstehende Geburt. Mama wiegte sich schon im Pool als ich mich dazu saß und ihre Schultern und ihr Kreuz massierte und hielt. Nun begann für mich eine Zeit ohne Zeitgefühl. Ich wusste nicht mehr wie spät es war oder wie lange Mama schon im Pool war. Aber es war mir auch nicht mehr wichtig. Allein für Dich und Mama da zu sein, euch mit meiner Energie auf eurem Weg zu helfen, war mir wichtig.






Irgendwann kam der Moment, wo ich das Gefühl hatte, dass es gerade nicht mehr melodisch weiter geht. Irgend etwas kam ins Ungleichgewicht. Für mich war das der Punkt, wo ich komplett zu Mama ins Wasser gestiegen bin und euch beiden sehr nahe war. Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn sich das komplette Denken ausschaltet und man einfach nur ist, einfach dabei ist, und schaut was passiert.



Noch ein paar Worte von deiner Mama:


Auch ich spürte, dass es nicht mehr lange dauern konnte. Doch plötzlich war da eine Pause, ein kleiner Knoten. Ich wusste nicht mehr wie es weiter gehen sollte, dabei wollte ich doch nur noch, dass du endlich in meinen Armen bist. Wir haben viele Sachen versucht, ich bin aus dem Wasser rausgegangen, habe mich hingestellt, doch der Knoten wollte sich einfach nicht lösen. Durch die Hilfe der Tollkirsche, mit ihren unglaublichen Fähigkeiten konnte ich anfangen den Knoten zu lockern.


Zusammen waren wir nun im Wasser und die Wellenbewegung ging immer stärker nach unten. Nachdem ich eine gute Position gefunden habe guckte schon dein Köpfchen heraus. Die nächste Welle ließ noch etwas auf sich warten. Doch um 23:44 Uhr warst du geboren, in den Armen deiner glücklichen Eltern, noch immer im warmen Wasser.








Johann war erst kurze Zeit auf der Welt, da kamen auch seine Geschwister dazu, um ihn willkommen zu heißen. Der erste Tag als eine Familie zu fünft begann. Auch das Wiegen und die erste Untersuchung durch die Hebamme fand im Kreise der Familie statt.






Vor ein paar Tagen erreichte mich noch eine Karte der Familie, die mich sehr bewegte und mich mal wieder in meiner Arbeit als Geburtsfotografin bestärkte. Vielen Dank dafür und für euer Vertrauen, mich in diesen intimen Raum einzuladen.


Ich schließe mit den Worten der Mutter ab:


Liebe Isabell,


nicht nur wir sind zutiefst berührt, wenn wir deine Bilder anschauen. Es ist, als schlüge dem Betrachter eine Saite an, die ihn an diesem archaischen Geschehen teilhaben lässt und ihn verzaubert. Solche Bilder konnten nur entstehen, weil du mit deiner Wesensart daran teilnimmst, uns den nötigen Raum gelassen hast und trotzdem mit voller Aufmerksamkeit im richtigen Moment am rechten Ort warst.


Vielen Dank!


© ISABELL STEINERT FOTOGRAFIEImpressum - Datenschutzerklärung

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