• Isabell Steinert

Drei Jahre im Geburtshaus auf den Philippinen

Nach knapp drei Jahren auf den Philippinen bin ich seit einigen Monaten wieder in Deutschland zurück. Die Zeit auf den Philippinen hat mich unheimlich geprägt und sicherlich auch ein Stück weit verändert.


Hebamme Grace legt dem neugeborenen Baby eine Windel an

Am Stadtrand von Manila arbeitete ich noch bis Ende 2016 mit der Non-Profit-Organisation HELP International Ministries. Die Organisation wurde 1987 von einer amerikanischen Familie gegründet, erst das Shiphrah Birthing Home und ein paar Jahre später das little children's home. Beides steht auch heute noch unter der Leitung dieser Familie. Jeri Gunderson leitet das Geburtshaus, ihre Tochter Deborah Gustafson das Kinderheim, in dem Kinder in Krisensituationen ein temporäres Zuhause finden.


Im Shiphrah Birthing Home sorgen sieben philippinische Hebammen dafür, dass jede Frau, die durch die Tür des Geburtshauses schreitet, eine gute und persönliche Betreuung bekommt. Die Frauen und Familien nehmen teil an Geburtsvorbereitungskursen, aber auch Themen wie Ernährung, Stillen und Verhütung stehen auf dem Kursplan.


Zwischen 150 und 180 Schwangere kommen jede Woche ins Geburtshaus zur Vorsorge und zu den Seminaren - aber auch die Gemeinschaft spielt in der philippinischen Kultur eine große Rolle. Es wird viel gelacht, gesungen und getanzt. Die Frauen, die alle acht Seminare besucht haben, feiern in einer Absolventenfeier gemeinsam mit den Hebammen ihren Kursabschluss.


Und dann ist da natürlich die Geburt.... Etwa 500 Frauen bringen jedes Jahr im Shiphrah-Geburtshaus ihre Kinder zur Welt. Die Philosophie der Hebammen im Geburtshaus ist klar: "Kaya mo yan. - Du kannst das." Den Hebammen ist es wichtig, die Frauen schon während der Schwangerschaft zu stärken, ihrem Körper zu vertrauen und ihnen immer wieder deutlich zu machen, wie viel Kraft in ihnen steckt. Partner, Familienangehörige, Freunde sind hier willkommen. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die Frau unter der Geburt wohlfühlt - umgeben von den Menschen, die ihr wichtig sind. Sie bestimmt die Position, in der sie sich unter der Geburt am wohlsten fühlt. So lange alles unter normalen Parametern verläuft, wählt sie, ob sie auf dem Gebärhocker, im Vierfüßlerstand, in Seitenlage, im Geburtspool, oder im Liegen gebären möchte.


Eine Rückenmassage von der Hebamme mit dem Partner an der Seite

Hier habe ich gelernt, was es bedeutet, selbstbestimmt zu gebären. Immer wieder wurde ich hier Zeugin von der unvergleichlichen Kraft der Frauen unter der Geburt. Es ist ein wunderschönes Privileg, diese Kraft, aber auch die tiefen Emotionen, die Fürsorge des Geburtsteams und Partners, und das Wunder der Geburt mit meiner Kamera dokumentieren zu dürfen. Im Shiphrah-Geburtshaus begann meine Reise als Geburtsfotografin und ich freue mich, dass ich diese Momente nun auch im Raum Freiburg festhalten darf.


Wenn auch ihr euch Erinnerungen an dieses einzigartige Ereignis wünscht, freue ich mich von euch zu hören.



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